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31.08.2019

Ohrenkneifer und defekte Dichtung wohl Schuld an Trinkwasser-Verunreinigung


Der Betriebsausschuss der Samtgemeinde Hattorf tagte im Café Eulenhof in Hörden

Der Betriebsausschuss der Samtgemeinde Hattorf beschäftigte sich mit dem Vorfall im Juli

...von Herma Niemann

Der Störfall bei der Wasserversorgung in Hörden hatte im Juli in der Bevölkerung für Aufregung, aber auch für Ängste gesorgt. Die Übeltäter: Wahrscheinlich waren Ohrenkneifer durch undichte Dichtungen in den Hochbehäter gelangt. Deshalb beschäftigte sich der Betriebsausschuss der Samtgemeinde Hattorf auf seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch mit diesem Thema.

Den Hergang schilderte der Kämmerer und stellvertretende Samtgemeindebürgermeister, Arnd Barke, da sich Rolf Hellwig zum Zeitpunkt des Störfalls im Urlaub befand. Die Vorgehensweise in einem solchen Störfall sei Standard gemäß, bundesweit werde so in einem solchen Fall vorgegangen, erklärte Barke. Sämtliche Schritte mussten mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Göttingen abgestimmt werden. Insgesamt werden in der Samtgemeinde Hattorf die Hochbehälter viermal im Jahr beprobt. Zusätzlich erfolge einmalig pro Jahr eine zusätzliche Untersuchung auf zum Beispiel Schwermetalle, nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz und nach der Calcitlösekapazität. Die letzte Untersuchung vor dem Störfall habe im Hochbehäter in Hörden Ende April stattgefunden. Im Rahmen dieser routinemäßigen Probeentnahme am 16. Juli sei zwei Tage später der Befund erfolgt: Es befanden sich Enterokokken im Trinkwasser.

Enterokokken sind Bakterien, die ursprünglich als Streptokokken eingeordnet, später jedoch als eigene Gattung von den Streptokokken abgetrennt wurden. Sie kommen in der Umwelt (Wasser, Erdboden), beim Tier und beim Menschen in der normalen Darmflora vor. Aufgrund dieses Befundes sei es erforderlich gewesen, eine Plausibilitätsprobe zu entnehmen, so Barke. Die Leitungen im Ortsnetz von Hörden wurden zeitnah gespült. Auch habe man den Kindergarten über die Verunreinigung informiert. Zu dem Zeitpunkt sei ebenso eine Abstimmung mit den Städtischen Betrieben Herzberg erfolgt. Wie Arnd Barke betonte, seien über jeden neuen Schritt die Mitglieder des Betriebsausschusses wie auch die Mitglieder des Rates der Samtgemeinde informiert worden.

Nach der Bestätigung des Prüflabors, dass es sich wirklich um eine Verunreinigung handele, habe man sofort Rundschreiben mit Abkochgebot an die Haushalte verteilt, wie auch über die eigene Homepage und über Facebook darüber informiert. Noch während dieses Vormittags musste der Wassermeister zum Arzt und wurde für vier Wochen krank geschrieben. In den Folgetagen erfolgten regelmäßige Untersuchungen des Trinkwassers, auch wurde der Ursache der Verunreinigung auf dem Grund gegangen. Da das Spülen der Leitungen offenbar nicht ausreichte, erfolgte eine Chlorung, mit der Unterstützung der Stadtwerke Göttingen, die die mobile Desinfektionsanlage zur Verfügung stellten. Auch darüber wurden die Bewohner per Rundschreiben informiert. Am 25. Juli erfolgte die Begutachtung des Hochbehäters durch das Gesundheitsamt. Dabei wurde festgestellt, dass das Lüftungsbauwerk konstruktive und altersbedingte Mängel aufwies.

Die Vertreter des Gesundheitsamtes gingen davon aus, dass Ohrenkneifer durch undichte Dichtungen in das Trinkwasser gelangt seien. Eine erneute Probenentnahme am 30. Juli bestätigte, dass Enterokokken nicht mehr vorhanden seien. Unter anderem bemängelt wurde von Reiner Gropengießer (CDU), dass aufgrund der Erkrankung des Wassermeisters der Auszubildende als Verantwortlicher über die Notfalltelefonnummer fungierte. Seiner Meinung nach hätte hier eine Rufumleitung zur Verwaltung erfolgen müssen. Hier widersprach Hellwig. Eine Rufumleitung wäre dann womöglich bei einem Mitarbeiter gelandet, der sich mit dem Bereich Trinkwasser gar nicht auskenne. „Der Auszubildende ist im letzten Lehrjahr. Er hat hervorragende Arbeit abgeliefert“, ergänzte Barke. Gropengießer hinterfragte auch, warum die wohl offensichtlichen Mängel am Hochbehälter nicht schon eher durch das Gesundheitsamt festgestellt worden seien. Angeblich seien auch bei der ersten Information durch die Handzettel weder Bäcker noch Schlachter informiert worden. Wie Hellwig berichtete, ist die Ursache behoben und durch einen Austausch sichergestellt, dass keine Kleintiere mehrt in den Hochbehälter gelangen.

Demnächst soll auch noch eine Reinigung der Wasserkammer erfolgen. Auf Nachfrage unserer -zeitung, warum von der ersten Probe mit dem Verunreinigungs-Befund bis zur Benachrichtigung der Bevölkerung vier Tage vergangenen seien, antworte Hellwig, dass in einem solchen Fall unbedingt eine weitere bestätigende Probe durch ein Labor erfolgen müsse. Und die Analyse nehme Zeit in Anspruch.

„Das war ein schwerwiegender Störfall“, so Hellwig „aber ich stehe hinter sämtlichen Entscheidungen, die mein Stellvertreter getroffen hat“. Außerdem betonte der Verwaltungschef, dass zu keinem Zeitpunkt der Hochbehälter in Hattorf betroffen gewesen sei, Proben hätten dies ergeben. Bei der Gelegenheit drückte Hellwig seinen Dank gegenüber den Mitarbeitern der Verwaltung, des Bauhofs, der Wasserversorgung und der Städtischen Betriebe Herzbergs aus. Die Unterstützung aus Herzberg sei schnell und undemokratisch erfolgt.

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Im Juli verunreinigten Insekten das Trinkwasser im Hochbehäter in Hörden

 

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