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31.12.2018

Uehrder Museum schließt seine Pforten.


von Petra Bordfeld 

Am 6. Januar 1447 wurde Uehrde zum Stadtdorf ernannt. Auf den Tag genau, nur 543 Jahre später, nämlich am 6. Januar 1990, eröffnete ein 20 m² kleinen „Museümchen“ in dem Wohnhaus Nr. 23 A. 1994 wurde es in das auf dem Grundstück befindliche 36 m² große Fachwerk-Häuschen „umgesiedelt“. Am 31. Dezember 2018 wird es geschlossen. Die Rede ist von dem Uehrder Museum, welches von Ingrid und Werner Kreckmann ins Leben gerufen und all die Jahrzehnte betreut wurde.

Auch wenn sie bis Dezember 1994 im Rhein-Main-Gebiet wohnten und arbeiteten, hatten sie das Empfinden, dass in Uehrde etwas fehlte. Damit mauserte sich Idee, ein Museum zu eröffnen, zur Realität. Es wurde in dem Haus Nr. 23 A eingerichtet. Denn an den vielen Wochenenden und im Urlaub weilten beide Kreckmanns im Heimatdorf. Genau in diesen Zeiten konnte dann das Museum im Wohnhaus nach Vereinbarung geöffnet werden.

Dass dies keine endgültige Lösung war, zeigte sich darin, dass später alle Exponate in ein separates Fachwerkhäuschen umgesiedelt wurden. Denn nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben hieß das Ziel Uehrde. Und Kreckmanns setzten die Museumsidee fort. Dazu wurde aus dem Nebengebäude in Fachwerk das Museum, so entstand das Uehrder Museumshäuschen.

1995 fand dort die erste Kunstausstellung statt. Es waren Arbeiten von Leo Passarge, der in Osterode als Lehrer und Maler wirkte. Auch in Uehrde hielt er vieles - was heute historisch ist - fest. Diese Ausstellung sollte keine Eintagsfliege sein, im Gegenteil: im kommenden Jahr 2019 wird zur bereits 25sten Ausstellung geladen, die unter dem Motto " Häuser und Blütenträume" steht. Sie wird nicht die letzte ihrer Art sein, denn auch wenn das Museum geschlossen wird, soll an einem Wochenende alljährlich seine Tür für eine Kunstausstellung geöffnet werden.

In dem 36 m² Raum wurde während nunmehr vieler Jahre  immer zu einer interessanten Reise in Uehrdes Vergangenheit geladen. Das war möglich, weil viele Einwohner geschichtsträchtige Gegenstände zur Verfügung stellten oder schenkten. Es waren Bilder, Waschbretter, alte Telefone, Küchengeräte, feiner Hausrat und vieles andere einst alltägliche mehr. Dafür, dass es kein Durcheinander geben konnte, schrieben Kreckmanns in einem Zugangsbuch genau auf, wer was dem Museum ausgeliehen bzw. geschenkt hatte. Dieses Buch wird jetzt wieder wichtig: Weil sich kein Nachfolger fand, werden  die Leihgaben an ihre Eigentümer zurückgegeben. Wer noch weiß, was er ausgeliehen hat, wird gebeten, vorbeizuschauen und das gute Stück mitzunehmen.

Bei dem Gedanken, dass das kleine Haus bald leer sein wird, kommen den beiden Museumleitern Erinnerungen an die Besucher. Es waren im Lauf der Jahre viele Uehrder und Bürger aus den Nachbarorten, Gruppen aus Vereinen fehlten ebenso wenig wir Historiker und Bundestagsabgeordnete oder Schüler, deren Wanderung direkt ins Museum führte. Aber auch Gäste des benachbarten Cafés ließen es sich nicht nehmen, hereinzuschauen.

Den weitesten Weg hatte aber der stellvertretende Bürgermeister aus Wyoming/Delaware zurückgelegt. Er wollte  in Erfahrung bringen, wo seine Vorfahren ihre Freunde hatten, so machte er sich mit seinem Sohn  auf den Weg nach Uehrde.

Das Reinschauen entfällt ab dem 1. Januar 2019. Der Versuch, das Museum in anderen Räumlichkeiten erneut unter anderer Leitung aufzubauen, blieb erfolglos. "Es fällt uns schwer, uns zu trennen, denn jedes Stück, das zur Sammlung hinzukam, erfreute uns und erschloss weitere Einblicke in das Leben unserer Vorfahren in diesem schönen kleinen Dorf mit seiner ungewöhnlichen Geschichte" so Werner Kreckmann.


Dieses Bild entstand beim „Tag der offenen Tür“, an dem Ingrid und Werner Kreckmann interessierten Besuchern Gebrauchsgegenstände und Wäsche zeigten.

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Ausstellungen wird es weiter gebe, im kommenden Jahr schon die 25ste.

 

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