Kultur

03.06.2021

Junges Theater Göttingen: "Danke für das Geräusch!" beschert ausverkaufte Vorstellung


Katharina Brehl und Jan Reinartz glänzten auf der Hofbühne

Der Heinz Erhardt-Abend auf der Hofbühne sorgte für viel Frohsinn

von Ralf Gießler

Göttingen) Einst beheimatete Göttingen Deutschlands modernstes Filmatelier. Zwischen 1948 bis in die 1960er Jahre hinein entstanden dort fast 100 Spielfilme für's Kino. Viele namhafte Künstler gaben sich damals die Studioklinke in die Hand, allen voran Starkomiker Heinz Erhardt. Erhardt, auch als DAS Gesicht der Göttinger Filmgeschichte betitelt, drehte von 1956 bis 1960 allein acht erfolgreiche Filme in der Leinestadt. Darunter auch die heute noch immer beliebten Streifen "Natürlich die Autofahrer“ oder "Drillinge an Bord“, um nur einige zu benennen.

Grund genug für das Junge Theater einen Heinz Erhardt-Abend mit dem Titel "Danke für das Geräusch!" auf die Bühne zu bringen. Musste am Donnerstag die Aufführung noch wetterbedingt ausfallen, wurde sie am vergangenen Freitag erstmalig in 2021 auf der neuen Hofbühne aufgeführt. Das von Theaterintendant Nico Dietrich inszenierte Stück spielt im Finanzamt. Der dichtende Beamte Willi Winzig hat ein Herz für die "kleinen Leute" und lässt heikle Steuerbescheide schon mal in der Schublade oder unter den Teppich verschwinden. An Arbeit ist ohnehin kaum zu denken, denn immer wieder muss er die vorbeikommende Damenwelt mit selbstverfassten Liedern, Gedichten und mit Tanzeinlagen beglücken. Doch die Sache droht aufzufliegen. Seine Pensionsansprüche sind gefährdet. Da hilft nur eins: Sich für verrückt erklären lassen. Das fällt Willi nicht schwer, und prompt wird er zum Amtsrat befördert.

Mit Katharina Brehl in einer Dreifach-Rolle als verträumte, verliebte Kollegin, fröhliche Putzfrau und sexy Tierärztin sowie Jan Reinartz als Finanzbeamter Willi Winzig hätte man sich keine besseren Schauspieler wünschen können. Dieses Stück ist für die zwei quirligen Akteure wie geschaffen. Gibt es ihnen doch den nötigen Raum, um zu zeigen, wie viel Power in ihnen steckt. Es wurde getanzt, gedichtet, gesungen, geblödelt und wild musiziert, dass es nur so eine Freude für die Zuschauer war. Von Beginn an überzeugte das Duo durch hohes Spieltempo, Elan und Körpereinsatz. Auch der pfiffige Einbau von Lokalkolorit kam beim Publikum gut an, nämlich dann als Willi Winzig zu seinem Bedauern in eine andere Behörde nach Dransfeld versetzt werden sollte. Auch Steffen Ramswig, der für die musikalische Untermalung sorgte, wurde clever mit einer eigenen kleinen Sprechszene eingebaut.

Nicht zu vergessen die immer wieder geschickt eingeworfenen Gedicht-Klassiker Erhardts, zum Beispiel "Ritter Fips", "Die Made" oder "Die Kuh". Herrlich anzusehen auch das Trinkgelage von Winzig mit seiner Kollegin im Büro, denn "Da kann einer sagen, was er will, das beste Essen ist immer noch das Trinken". Ebenso köstlich dargestellt wie Willi Winzig mit Rose im Mund mittels Drehstuhl durch ein imaginäres Gewässer zu einer Angebetenen "schwimmt". Die vielen dargebrachten Reime, beispielsweise "Frauen sind die Juwelen der Schöpfung. Man muß sie mit Fassung tragen" sorgten darüber hinaus für zahlreiche Lacher und Zwischenapplaus.

Kurzum, hätten Spielfreude und Spielwitz einen Namen, wäre es an diesem Abend wohl ein doppelter gewesen, nämlich Brehl-Reinartz. Heinz Erhardt hätte sicher seine Freude an dem Bühnenspektakel gehabt und zum Schluss gerufen "Danke für das Geräusch, danke für die lustige Aufführung und bitte noch 'n Gedicht!"

Die nächste Aufführung wird am Samstag, 05. Juni, wieder um 19 Uhr im Theaterhof sein. Karten dafür gibt es online unter www.junges-theater.de.




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