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24.02.2021

Der Märchenkosmos geht weiter – diesmal geht die Reise nach Finnland


Janette Rauch bei einem Auftritt mit ihrem Märchenkosmos im Rittersaal des Welfenschlosses in Herzberg

Die Schauspielerin Janette Rauch in einem Gespräch mit unserer Zeitung/Im Herbst will sie mit ihrem „Märchenkosmos“ wieder nach Herzberg kommen

von Herma Niemann

Herzberg/Hamburg. Wenn wir an unsere schönen, alten Märchenbücher aus unserer Kindheit denken, denken wohl die meisten an abenteuerliche Phantasiewelten und was darin alles möglich war. Und auch heute noch bieten Märchen Kindern und Erwachsenen Stoff zum Lachen und Stoff zum Weinen.

Die Märchen lassen den Leser in die Haut des Helden schlüpfen, in Liebesgeschichten eintauchen und spannende Begebenheiten erleben. Jedoch dienen Märchen nicht nur der bloßen Unterhaltung. Der Märchenschatz ist auch ein wichtiger Teil des Kulturerbes eines jeden Landes, er spiegelt seine Geschichte und Kultur wieder.

Auf ihren vielen Reisen hat die Schauspielerin Janette Rauch (bekannt aus „Notruf Hafenkante“ und „Rote Rosen“) die zauberhafte Welt der Märchen für sich wiederentdeckt, wie sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Und daraus ist ihr Projekt „Märchenkosmos“ entstanden, mit dem sie bereits zweimal im Herzberger Welfenschloss vor einem begeisterten Publikum gastierte. „Der Märchenkosmos ist mein Herzensprojekt“, sagt Rauch.

Im vergangenen Jahr musste wegen der Corona-Krise ihre dritte Reise in die Welt der Märchen abgesagt werden. Sofern die Infektionszahlen und die Corona-Auflagen es zulassen, können sich die Besucher aber in diesem Herbst in Herzberg wieder auf eine magische Reise in die Märchenwelt freuen. „Herzberg ist für mich auch ein Stück weit nach Hause kommen“, betont die Wahl-Hamburgerin „ich bin eine treue Seele, und Orte, an denen ich mich wohlfühle, gehören zu meinem Zuhause“. An dieser Stelle dankt Rauch dem Förderverein Schloss Herzberg, allem voran dem ersten Vorsitzenden Peter Bischof und seiner Frau Susanne, die sie von Anfang an mit offenen Armen empfangen hätten. Rauch schwärmt von dem Rittersaal, er sei ein außergewöhnlicher Ort und passe durch das einmalige Ambiente sehr gut zu ihrem Projekt. In den ersten beiden Auftritten in 2018 und 2019 präsentierte die gebürtig aus der Schweiz stammende Schauspielerin Märchen aus Asien und aus Russland.

In diesem Jahr soll Finnland an der Reihe sein. Ein passendes Bühnenbild, Lichtwechsel, eine musikalische Untermalung und die wohltuende Stimme von Janette Rauch, die mit verschiedenen Stimmlagen in die unterschiedlichsten Charaktere schlüpft - also ein Erlebnis mit viel Atmosphäre für die Sinne soll es werden. Einen unterhaltsamen Schwank und ein wenig Gesang wolle sie auch einbauen, ebenso wie Geschichtliches. „Ich möchte die Menschen berühren und mitnehmen. Im Märchenkosmos kann ich das breite Spektrum nutzen, und manchmal steckt auch ein kleiner Schelm in mir“, so die 58-Jährige schmunzelnd „als Schauspielerin habe ich jahrelang Rollen erfüllt, jetzt freue ich mich darüber, Figuren mit Leben zu füllen“.

Mit der tollen Umgebung des Schlosses, mit dem Schlosshof und der ansässigen Gastronomie seien die Auftritte auch für sie immer etwas ganz besonderes gewesen. Sollten Live-Auftritte im Herbst immer noch nicht möglich sein, könne sie sich auch vorstellen, den Auftritt zu streamen. Für definitive Planungen bedürfe es aber auch noch an Gesprächen mit der Stadt, dem Förderverein und eventuellen Sponsoren.

Mittelpunkt ihrer Märchenreise nach Finnland werden die Volksmärchen und das sogenannte Kalevala sein, das untrennbar mit der Finnischen Kultur verbunden ist. Das Kalevala ist ein von Elias Lönnrot im 19. Jahrhundert auf der Grundlage von mündlich überlieferter finnischer Mythologie zusammengestelltes Epos (Versdichtung). Es gilt als finnisches Nationalepos und zählt zu den wichtigsten literarischen Werken in finnischer Sprache. Das Kalevala trug maßgeblich zur Entwicklung des finnischen Nationalbewusstseins bei und hat auch über Finnland hinaus Wirkung entfaltet. Die erste Fassung des Werkes erschien im Jahr 1835. Der Standardtext des Kalevala besteht aus 22.795 Versen, die in fünfzig Gesängen vorgestellt werden. Die Zuschauer können jetzt schon gespannt sein.

Der Märchenkosmos ist aber nur eines ihrer vielen Projekte. Rauch engagiert sich unter anderem als Gründungsmitglied der Initiative „Me too Germany“, die sich mit dem Kampf gegen sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch beschäftigt. Ein weiteres Projekt , das ihr am Herzen liegt, ist die Theaterpädagogik, die hoffentlich im Mai in Wesselburen (Schleswig-Holstein) wieder starten könne. Das Projekt beschäftigt sich damit, dass sich Selbstbewusstsein in der Körpersprache widerspiegelt. Rauch hat das Projekt zusammen mit Klaus Naeve unter dem Motto „Wecken, was in mir steckt“ speziell für Jugendliche ins Leben gerufen. Damit soll den Jugendlichen zwischen zwölf 16 Jahren der Einstieg in den Job erleichtert und die Chancen bei Vorstellungsgesprächen verbessert werden.

„Die Kids leiden gerade stark unter der Corona-Krise und wir wollen ihnen damit helfen, wieder stabiler zu werden“. Die Emotionen und die eigenen Ressourcen erkennen, stehe dabei im Mittelpunkt der Arbeit. Das Menschliche, die Nähe und die kleinen großen Projekte bezeichnet Rauch in dem Gespräch als die ernste Seite des Lebens, mit denen sie die Menschen berühren wolle. Wenn sich eine passende Fernseh- oder Filmrolle wieder anbieten würde, würde sie nicht Nein sagen. Dennoch erfülle sie momentan sehr ihre Arbeit und ihr Engagement abseits des Medienrummels. „Medienrummel hatte ich lang genug“.


Die gebürtige aus der Schweiz stammende Schauspielerin Janette Rauch wohnt in Hamburg

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