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29.09.2020

Ministerpräsident Stephan Weil weiht Wildholzsperre ein


Letzte Station auf seiner Harzrundreise war Lonau. Eine Feierstunde im Dorfgemeinschaftshaus schloss sich an

...von Herma Niemann

„Schön habt Ihr es hier, vielleicht ein bisschen nass“. Trotz Dauerregens am Samstag war der Ministerpräsident des Landes Niedersachsens, Stephan Weil (SPD), gut aufgelegt und begrüßte auf diese Weise humorvoll den Ortsbürgermeister von Lonau, Thomas Beck, und die wartenden Gäste vor dem Dorfgemeinschaftshaus.

Anlass seines Besuchs war die Einweihung der im Harz ersten Wildholzsperre in Lonau, die fünf Jahre nach Aufnahme der Orte Lonau, Sieber und St. Andreasberg als Bergdorfregion Harz in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes im April dieses Jahres fertiggestellt werden konnte (wir berichteten). Ein kleines Bauwerk mit einer großen Wirkung:

Für die Wildholzsperre haben die Lonauer lange gekämpft. Und dennoch werden den Einwohnern die Bilder von dem gewaltigen Hochwasser der kleinen Lonau im Jahr 2007 noch lange im Gedächtnis bleiben. Unterspülte Häuser, überflutete Straßen, voll gelaufene Keller – mit dem präventiven Schutz bei Starkregenereignissen soll das alles nun der Vergangenheit angehören. Ministerpräsident Weil zeigte sich beeindruckt von dem Bauwerk, aber besonders von dem Engagement der Bürger, und erkundigte sich sogleich nach der Einwohnerzahl. „356“, antwortete der Ortsbürgermeister und Nationalpark-Ranger Beck „mal mehr, mal weniger, aber immer stabil“.

An der Wildholzsperre erläuterte Beck die Funktionsweise. Das Netz der Sperre soll verhindern, dass angeschwemmtes Holz aus den Waldflächen sich im Dorfbereich verfängt und verklemmt und so zu Stauungen und Überschwemmungen führt. „Wir hätten mit der Sperre auch gerne noch weiter oben begonnen, aber das ging aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht“, erklärte Beck. Im Havarie-Plan ist geregelt, dass im Falle eines Hochwassers die Bereitschaft alarmiert werde, die mit einem Bagger dann die Wildholzsperre von angeschwemmtem Holz befreit, damit diese nicht überlastet wird. Vor Ort war auch ein Drehteam des NDR, das über die Wildholzsperre berichtete und Beck und Weil für die Sendung „Hallo Niedersachsen“ interviewte. Wie Weil in der lockeren Runde berichtete, habe ihn das Thema Wasser schon den ganzen Tag, und das nicht nur in Form von Regen von oben, begleitet.

Der Landesvater war am Samstag auf einer Besichtigungstour durch den Harz unterwegs und besuchte als erstes die Baumschwebebahn in Bad Harzburg. Anschließend ging es zu den Harzwasserwerken an der Eckertalsperre und zum Abschluss des Tages nach Lonau. „Der Klimawandel hat Folgen: Die einen klagen über zu wenig Wasser und andere müssen Maßnahmen gegen zu viel Wasser ergreifen“, so Weil „gerade die Talgemeinden haben angesichts des Klimawandels große Sorgen. Aber wie man an dem Beispiel von Lonau sieht, kann man mit überschaubaren Mitteln etwas dagegen tun“. Zurück im Dorfgemeinschaftshaus präsentierte Beck einen Film über die drei geleisteten Projekte. Denn nicht nur die Wildholzsperre, sondern auch das Bergwiesenprogramm und die Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses waren Teil der offiziellen Feierstunde. Rund 8.500 ehrenamtliche Stunden würden dahinter stehen, was ein glanzvolles Beispiel dafür sei, dass selbst das kleinste Dorf etwas leisten kann. „Wir alle können stolz darauf sein, was wir geleistet haben“, betonte der Ortsbürgermeister „und dass dies der Ministerpräsident mit seiner Anwesenheit wertschätzt, ist uns eine besondere Freude und wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben“.

Offenbar habe sich die Stimmung im Harz zum Positiven verändert, lobte Weil in seiner Ansprache. „Ich kenne den Harz schon seit meiner Kindheit“. Bei seinem Amtsantritt als Ministerpräsident im Jahr 2013 habe er im Gegensatz zu heute eine eher pessimistische Grundstimmung im Harz vernommen. Jetzt habe er den Eindruck, dass sich Dank des wachsenden Tourismus Zuversicht entwickele. Dennoch sei der Zustand des Waldes beklagenswert, obwohl der Harz eine der niederschlagsreichsten Regionen sei. „Hier hat sich deshalb eine ziemlich kleine Dorfgemeinschaft auf den Weg gemacht, um Dinge anzuschieben. Die Initiative kam aus dem Dorf, da können sich andere Gemeinden in Niedersachsen eine Scheibe von abschneiden“, so der Landesvater „und wenn Ihr Ortsbürgermeister immer so engagiert ist, können Sie sich glücklich schätzen“. Der Kreisrat des Landkreises Göttingen, Marcel Riethig (SPD), würdigte ebenso das Engagement der Lonauer im wohl „schönsten Ort“ im Nationalpark Harz, wie er augenzwinkernd sagte. Über 20 Prozent der 356 Einwohner Lonaus würden sich freiwillig engagieren. „Da kann man nur den Hut vor ziehen“. Der Bürgermeister der Stadt Herzberg, Lutz Peters (CDU), betonte bei dieser Gelegenheit die Wichtigkeit der Ortsräte, die aktiv in den Ortsteilen zum Erhalt der Strukturen beitragen würden. „Wir haben hier ein gutes Miteinander aus Politik und Bürgern“, so Peters „und das über Parteigrenzen hinweg“. Im Anschluss gab es draußen unter den bereitgestellten Pavillons Getränke und Bratwürste vom Grill. Zu einer Bratwurst und einem Bier sagte Stephan Weil nicht nein und mischte sich unter die geladenen Gäste.


Thomas Beck und Stephan Weil im Gespräch an der Wildholzsperre

Stephan Weil (links) im Gespräch mit dem Bürgermeister von Herzberg Lutz Peters

Die Wildholzsperre soll Überschwemmungen wie in 2007 verhindern. Sie wurde im April fertiggestellt

Stephan Weil bei der Feierstunde im Dorfgemeinschaftshaus. Rechts von ihm Kreisrat Marcel Riethig

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Stephan Weil bei seiner Ankunft in Lonau vor dem Dorfgemeinschaftshaus

Ortsbürgermeister Thomas Beck (rechts) begrüßt den Ministerpräsidenten Stephan Weil vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Lonau


Eine Bratwurst und ein Bier zum Abschluss: Stephan Weil (rechts) mischte sich unter die geladenen Gäste



 

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