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24.09.2020

Besuch der "Weintraube" tief unter der Erde


Der Arbeitskreis Bergbaufolgen der DGGV besuchte die Grube Weintraube in Lerbach

von Petra Bordfeld

Anlässlich ihres 32. Arbeitskreistreffen der Arbeitskreis Bergbaufolgen der DGGV (Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften e. V. Geologische Vereinigung) stand für die Teilnehmer*innen eine Befahrung der ehemalige Grube „Weintraube“ in Lerbach auf dem Programm. Unter der fachmännischer Führung von Dr. Klaus Stedingk, Dr.Wilfried Ließmann und dem Lerbacher Ortsbürgermeister Frank Koch wurde die ehemalige Grube, die 1782 erstmals erwähnt wurde, erkundet.

Doch bevor sich die Teilnehmer, die aus vielen Städten und Landkreisen angereist waren unter Tage begaben, gewährten Dr. Klaus Stedingk und Frank Koch erst einmal Einblicke in Geschichte dieses Stollens, der nicht nur für seinem ungewöhnlichen Namen für Aufmerksamkeit sorgt. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass die Erzlager neben dem Hauptstollen als Weintrauben bezeichnet wurden – wie es halt bei einer Rebe der Fall ist. Die "Weintraube" ist übrigens die einzige Erzgrube mit einer Vielzahl an Stollen und Schächten, die im nördlichen Lerbacher Revier, noch weitgehend befahrbar ist. Aus Sicht der Geologen verfügt sie über eine nicht nur montanhistorisch echte Attraktion. Schließlich ist sie im Oberharz die Grube, in der Besuchern noch der historische Bergbau auf Roteisenstein (Eisenerz) gezeigt werden kann.

Frank Koch erinnerte daran, dass sich die Heimatstube Lerbach bereits 1998, dafür stark gemacht habe, erst einmal den Weg bis zum historischen Eingang zu ebnen. Zuvor führte nämlich eine acht Meter lange Röhre mit einem Innendurchmesser von 80 Zentimeter in den Stollen hinein, durch die gekrabbelt werden musste. Das Mundloch wieder so herzustellen wie es früher war, konnte die Heimatstube Lerbach mit Mitteln von Bingo Lotto verwirklichen. Damit wurde auch eine Möglichkeit für die Fledermäuse geschaffen in den Monaten Oktober bis April dort zu überwintern.

Nach Plänen des Ortsbürgermeister (seid 1986) und der Heimatstube wurde mit viel ehrenamtlichen Unterstützung der Ausbau 1998 durchgeführt. In den Folgejahren wurden an beiden Seiten die Stützmauern zweimal erneuert und mittels finanzieller Spenden konnte die Heimatstube für die Beleuchtung in der Grube sorgen. Koch erzählte davon, dass dort auch schon 2012 ein Gottesdienst mit Posaunenchor statt gefunden habe, an den sich die damaligen Gäste gerne erinnern und nicht selten fragen, wann denn mal wieder zu einer liturgischen Feier in den ungewöhnlichen Ort geladen werde.

Als feststand, dass die „Weintraube“ wieder befahrbar ist wurde überlegt, dass man doch von April bis Oktober im Rahmen von Normal- und Sonderführungen höchstens 400 Besucher pro Jahr in der Grube führen könne. Gespräche mit den zuständigen Institutionen schienen alle auf ein grünes Licht hinzuweisen. Doch es sprang trotz aller Anstrengungen in letzter Sekunde auf Rot um, weil die naturschutzrechtlichen Hürden unüberwindbar waren. Denn die Untere Naturschutzbehörde und der NABU stellten die mit Artenschutz (Fledermaus) begründeten Forderungen auf, deren Kostenaufwand dazu führte, dass das Vorhaben nicht realisierbar wurde. Das Besucherbergwerk war aber nicht ganz "gestorben“. Die Grube „Weintraube“ darf zwar befahren werden, dies aber ausnahmslos im Zuge von Sonderführungen.

Nach diesem Geschichtsunterricht machten sich alle auf den Weg unter Tage. Trotz Dunkelheit waren nicht selten erstaunte Gesichter und vor Faszination funkelnde Augen zu sehen. Vor dem Altar, der für den bislang einzigen Gottesdienst errichtet wurde, galt es erst einmal ein Schluck „Harzer Grubenlicht“ zu nehmen, um dann auf Entdeckungstour zu gehen oder zu rutschen. Für alle Teilnehmer*innen stand beim Erreichen des Tageslichtes fest, dass man wieder kommen werde.

 



Es musste auch mal nach oben „gekrabbelt“ werden

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Ein Gestein, welches in der Weintraube zu finden ist.

Frank Koch (vorne) erläuterte die Weintaube


Auch unter Tage ging es hoch hinaus.

 

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