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09.09.2020

„Noch Luft nach oben“: Projektarbeit über Bad Grund zeigt Möglichkeiten auf


Die Studierenden Kim Klapproth, Elena Lopez, Diana Miekley und Tim Golemia haben mehrere Monate in ihre Studienarbeit zur Innenentwicklung von Bad Grund investiert (von links)

Studenten der HAWK stellten die Analyse für eine tragfähige Innenentwicklung vor

von Herma Niemann

Wie kann man die Bergstadt Bad Grund attraktiver gestalten? Wie kann man die Einwohner mehr an den Entscheidungsprozessen beteiligen? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Diese und weitere Fragen haben sich die Studenten Kim Klapproth, Elena Lopez, Diana Miekley und Tim Golemia von der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) in Göttingen vorgenommen und daraus eine Studienarbeit gemacht.

Diese stellten sie am Montag im Rahmen einer Ortsratssitzung im Atrium in Bad Grund vor. Das über 100 Seiten umfassende Schriftwerk sei im Rahmen einer Projektarbeit entstanden, wie Prof. Dr. Ulrich Harteisen (Regionalmanagement und regionale Geografie der HAWK) erklärte. „Ziel ist es, unsere Studierenden für die Praxis auszubilden. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem die Gemeinde als Auftraggeber fungiert und die Studierenden die Ergebnisse vorstellen, die vielleicht Anlass zu Diskussionen oder einen Anstoß geben“, so Harteisen.

Die Präsentation übernahm Kim Klapproth. Der Studienarbeit vorausgegangen ist ein Fragebogen, der im Mai online und in verschiedenen Geschäften der Bergstadt ausgefüllt werden konnte. Der Fragebogen beinhaltete die Themen Ortsbild, die Zukunftsbergstadt, Teilhabe und andere Fragen. Insgesamt seien 175 Fragebögen ausgefüllt worden, davon 155 online. Besonders die Menschen der Altersgruppe 50 bis 59 hätten sich gut beteiligt, leider habe man die Generation 70 Plus nicht so gut erreicht, wie Klapproth erwähnte.

Aus den Fragebögen habe sich ergeben, dass der überwiegende Teil eher unzufrieden mit der Attraktivität des Ortes sei, mit der Sauberkeit und dem Sicherheitsgefühl aber eher zufrieden war. Hier lauteten die Verbesserungswünsche: die lokale Wirtschaft weiter entwickeln, für mehr Belebung sorgen und den Leerstand bekämpfen.

Die Arbeit der Zukunftsbergstadt beurteilten 21 Prozent mit „sehr gut“, 36 Prozent mit „gut“ und 18,5 Prozent mit „eher gut“. „Das zeigt, dass diese Initiative einen guten Job macht“, so Klapproth. Zum Thema Teilhabe fühlten sich nur rund 41 Prozent der Befragten gut informiert, über 70 Prozent kreuzten an, dass sie an Entscheidungen die Bergstadt betreffend eher nicht beteiligt würden.

Was dann folgte, war zunächst eine Ist-Analyse der Bergstadt. So betrage der Altersdurchschnitt 49,1 Jahre. Im Vergleich dazu betrage das Durchschnittsalter in Göttingen 44,8 Jahre. Was die Daseinsvorsorge anginge, sei diese größtenteils gegeben, jedoch sei die ärztliche Versorgung nur bedingt vorhanden sowie die Mobilität nur eingeschränkt möglich.

Was den Tourismus angehe, zeige sich in der Bergstadt auch der allgemeine Trend. „Die Menschen machen zunehmend kürzere Urlaube, dafür aber öfter im Jahr“. Im Übrigen seien die Top drei Herkunftsländer der Urlauber in Bad Grund die Tschechische Republik, Dänemark und die Niederlande.

„Was die Außenwirkung angeht, gibt es noch viel Luft nach oben“, so die Studentin. Gemeint war hier die offizielle Homepage der Gemeinde. Hier fehle die Aktualität und es sei wenig Interaktion vorhanden. Außerdem würden Informationen zum Standort, Wohnort und zum Lebensraum in der Bergstadt fehlen. Im weiteren Verlauf stellte die Studentin auch die von ihnen erarbeiteten Handlungsempfehlungen vor.

Zum Leerstandsmanagement und zum Ortsbild schlugen die Studenten die Gründung einer Genossenschaft oder einer Bürgerinitiative vor, die ja durch die Zukunftsbergstadt bereits vorhanden ist. Möglichkeiten, dem Leerstand zu begegnen, seien auch sogenannte Pop-Up-Stores. Diese sind kurzfristige und provisorische Einzelhandelsgeschäfte, die vorübergehend in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben werden. Weitere Idee: Coworking Spaces.

Coworking ist ist eine Entwicklung im Bereich „neue Arbeitsformen“. Freiberufler oder kleinere Startups arbeiten dabei in meist größeren, verhältnismäßig offenen Räumen und können auf diese Weise voneinander profitieren. Sie arbeiten entweder voneinander unabhängig in unterschiedlichen Firmen und Projekten oder entwickeln mit anderen Coworkern gemeinsam Projekte.

Zur Kommunikation und mehr Bürgerbeteiligung: Hier empfahlen die Studenten, den direkten Austausch mit den Einwohnern zu fördern, die Zusammenarbeit mit der Zukunftsbergstadt und den Vereinen zu stärken und die Vermarktungsstrategie anzupassen und auszubauen.

Zu guter Letzt zählte Klapproth noch diverse Fördermöglichkeiten auf, die für unterschiedliche Arten von Projekten in Betracht kommen. „Unser Fazit: Mauern wegreißen, mehr miteinander kommunizieren und die Initiative Zukunftsbergstadt nutzen“, betonte Klapproth. Die Präsentation soll in Kürze auf der Homepage der Gemeinde Bad Grund www.gemeinde-bad-grund.de zu sehen sein.

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Prof. Dr. Ulrich Harteisen mit den Studierenden Kim Klapproth, Elena Lopez, Diana Miekley und Tim Golemia (von links)

Bei der Ortsratssitzung im Atrium waren auch einige Bad Grunder Einwohner anwesend.

 

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