Regionales / Harz

25.10.2019

Wo gehobelt wird, fallen Späne: Der Biber kommt wieder


Der Biber-Experte Dieter Mahsarski präsentierte eine Tierpräparation eines Bibers

Dieter Mahsarski vom NABU Laatzen hielt Vortrag über die positive Wirkung der Nager auf die Natur/Doch nicht überall herrscht Freude über die Rückkehr der Biber.

von Herma Niemann

St. Andreasberg. Angenagte Baumstämme, die an eine Sanduhr erinnern, Zweige und Äste, die zu Dämmen aufgetürmt werden. Das sind typische Zeichen dafür: Hier ist ein Biber am Werk. Und diese Hinweise sind in Niedersachsen wieder häufiger zu sehen.

Das berichtete der ehrenamtliche Biber-Berater beim NABU Laatzen, Dieter Mahsarski in seinen Vortrag „Der Landschaftsgestalter ist zurück“. Die Informationsveranstaltung fand im Nationalparkhaus in St. Andreasberg statt. Dabei war das Interesse der Besucher so groß, dass sogar noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Wie kaum ein anderes Lebewesen, ist der Eurasische Biber in der Lage, seinen Lebensraum nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Er staut Bäche und kann eine Landschaft stark verändern. Die Tiere, die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet schienen, breiten sich jetzt immer stärker aus. Auf etwa 2.000 bis 3.000 Tiere schätzt Mahsarski die Biber-Population in Niedersachsen. Genaue Angaben können nicht gemacht werden, da nicht überall in Niedersachsen kartiert wird.

Ein Grund dafür, dass die Menschen schon seit dem Mittelalter dem Biber nachstellten, ist unter anderem das dichte Fell. Hat der Mensch auf einem Quadratzentimeter 200 bis 300 Haare, so hat der putzige Nager 1200 bis 2300 Haare, berichtete Mahsarski zum Erstaunen der Besucher. Besonders im 18. Jahrhundert habe man aus dem Haar des Tieres, den Grannen und den Wollhaaren, die sogenannten Biberhüte gefertigt.

Im Jahre 1920 wurde der Biber (Castor fiber) zuerst in Skandinavien und Russland, später auch in Europa unter Schutz gestellt. Ein Wiederansiedlungsprojekt im Emsland brachte den Nager mit den kräftigen Zähnen im Jahr 1990 zurück. An der südlichen Leine in der Region Hannover habe man ihn in 2005 erstmals wieder gesichtet.

Als größter Nager in Deutschland und als zweitgrößtes Nagetier der Welt (nach dem Wasserschwein) wird der Biber rund einen Meter groß, plus der Kelle mit rund 35 Zentimetern. Das Säugetier kann bis zu 20 Jahre alt werden und wiegt zwischen 25 und 30 Kilogramm. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv und macht keinen Winterschlaf. Angepasst an seinen Lebensraum in Wasser- und Baumnähe, ist sein Körperbau stromlinienförmig, kompakt und mit kleinen Extremitäten. Der „Landschaftsarchitekt“ sei er ein recht schneller Schwimmer. Durch die Schwimmhäute an seinen Hinterfüßen, könne er zwischen vier und zehn km/h schnell schwimmen. Wie Mahsarski erklärte, sei der Biber auch ein wahres Tauch-Wunder. Zwischen fünf und zehn Minuten kann er sich unter Wasser aufhalten, und bei Gefahr sogar bis zu 20 Minuten. Und das, obwohl er auch nur eine normale Lunge wie der Mensch hat. Dann fahre er nämlich seine Körperfunktionen sehr weit runter. Sein Herzschlag verringert sich von 100 auf 50 Schläge, seine Extremitäten werden von Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Auch kommen ihm die isolierenden Fettpolster und sein dichtes Fell zugute.

Während der Hör- und Geruchssinn sehr gut ausgebildet sind, können Biber nur sehr schwach Grauschattierungen im Nahbereich sehen. „Ihr Lieblingsfressen können Biber über 100 Meter entfernt orten“, so Mahsarski augenzwinkernd, der berichtete, dass die Nager nach heutigem Sprachgebrauch nicht nur Vegetarier sondern sogar Veganer seien. Sie fressen Triebe, Knospen und Blätter, Gräser und Kräuter, Rinde und Feldfrüchte. Die braunen Nager sind echte Familien-Fans. Biber leben in Familienverbänden, die in der Regel aus den Elterntieren und den letzten zwei Jungtiergenerationen bestehen. „Biber leben eine monogame Dauerehe“. Durch die niedrige Fortpflanzungsrate würde es jedoch nie dazu kommen, dass eine Gegend mit Bibern übervölkert werde. Dazu tragen auch die streng begrenzten Reviere der Tiere bei. „In einem Revier lebt immer nur eine Biberfamilie, das Revier kann bis zu sechs Kilometer groß sein“.

Der bevorzugte Lebensraum des Meister Bockert, wie der Biber in der Fabelwelt genannt wird, sind feuchte Wälder mit langsam fließenden oder stehenden Gewässern. Auf die Natur haben Biber positive Auswirkungen. „Der Biber ist der beste Renaturierer und Verjünger der Wälder“, betont Mahsarski. Dort, wo sich das Wasser staut, entstehen Auenlandschaften, Feuchtwiesen, Sümpfe und Tümpel. Seine Dämme lassen Gewässer langsamer fließen.

Freude über die Rückkehr der Biber herrscht jedoch nicht überall: Denn die Ansiedlungen beeinflussen die Landwirte, durch die Biberbauten kommt es zu Überschwemmungen der Felder, Gräben werden zu Fallen für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge. Dazu kommen die Fraßschäden an Bäumen und Feldfrüchten. Es drohen Ernteverluste.

Doch, die Konflikte zwischen Mensch und Biber können gelöst werden. Laut NABU ist viel Aufklärungsarbeit über die Lebensweise und Bedürfnisse der Biber nötig. Der Aktionsradius des Bibers erstrecke sich sich lediglich auf einen Streifen von zehn bis 20 Metern entlang von Gewässern. Würde man ihm und der Natur diesen Platz gewähren, würden Konflikte gar nicht erst zustande kommen. „Der Biber arbeitet kostenlos für den Natur- und Wasserschutz“, heißt es beim NABU „lassen wir Meister Bockert gestalten“.


Dieter Mahsarski hatte viel Informatives zu dem größten heimischen Nagetier zu berichten

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Angenagtes Anschauungsobjekt: ein von einem Biber bearbeiteter Baumstamm.

 

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